Sylvain Coiplet

Hätte gern mehr Zeit zum Malen ...

bienenmenschDa Kunst an französischen Staatsschulen kaum eine Rolle spielt, nahm ich als Dreizehnjähriger einige Stunden Zeichenunterricht bei einem Aquarellmaler. Sein erster Rat war, das Radiergummi zu Hause zu lassen. Diese Malerei mit den Stiften wurde mir zu einer Schule der Konzentration und Spontaneität. War ein Strich doch daneben, mußte ich mir etwas Neues überlegen. Manchmal hat es geholfen, noch einen Strich daneben zu machen. Daneben mal daneben kann doch irgendwie treffen.

Als ich, Jahre später, wieder intensiv zum Zeichnen kam, gewöhnte ich mich daran, die Welt zusammenzuflechten, statt sie umreissen zu wollen. In sich zusammenhalten, ohne sich abkapseln zu müssen. Die eigene Verdichtung finden - und mit etwas Glück, auch Austrahlung.

... und zum Dichten

Als ich als Nur-Franzose vor Gedichten wie vor Rätseln stand, überzeugten mich die Interpretationsversuche meines Französischlehrers nicht: "Gedichte sind verdichtete Texte", hieß es. Mir schien es zwischen dem Sinn noch etwas zu geben. So etwas wie eine Melodie, die jeder Sprache Recht gibt, auch dann, wenn sie es anders sagt. Ich wollte dahinter kommen und wanderte nach Deutschland aus. Ich habe da zwei Jahre lang Eurythmist gespielt. Aber eigentlich ging es mir um die Sprache und einige Momente der Magie, wo sie mehr weiß als sie sagt.

Die deutsche Sprache hat etwas vom Holzhacken. Ich meine es nicht abwertend. Es geht vielmehr um die Anstrengung. Nach wenigen Sätzen mache ich oft schlapp. Diese Sprache hat aber auch einen Hauch von Freiheit. Wird zwar wenig benutzt, wäre aber theoretisch möglich, wie vieles hier. Durch diese Anregung fand ich die Kraft, mir eine neue Muttersprache zurechtzuschneidern.

Nur will die Zeit ihre Zeit

Inzwischen hat mich diese Welt und ihre sozialen Kalamitäten wieder eingeholt. Die meiste Zeit verbringe ich damit, die soziale Dreigliederung bekannt zu machen. Ich sehe es als meine Aufgabe an, zu zeigen, wie pauschal wir uns die Welt denken. Ich möchte die Angst vor den Einseitigkeiten abbauen, zeigen, daß sie sich gegenseitig ausgleichen können, wenn wir sie konsequent ausleben. Daneben mal daneben kann doch richtig treffen ...

Die Kunst muß ich mir aber erst einmal abschminken. Die Jahre, die ich in die Malerei und die Eurythmie gesteckt habe, tragen mich bis heute. Wird wohl für ein Leben reichen müssen. Ich würde es aber nett finden, wenn ich einige Monate vor meinem Tod Bescheid bekommen könnte, um nochmal einige Bilder und Gedichte machen zu können. Wenn nicht, dann ist das vielleicht etwas für das nächste Leben - falls das soziale Leben bis dahin besser aussieht. Es sei denn ...

 


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